Bist du eine Journalistin?

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Mir gefällt die Veränderung, die sich in den letzten Jahren auch in der Schweiz entwickelt hat. Der erste Beruf, den man gewählt hat braucht nicht der Beruf zu sein, mit dem man pensioniert wird. Selbst pensioniert sein ist nicht mehr dasselbe wie früher und das finde ich alles gut.

Ich gehöre zu den privilegierten Menschen, die schon beim ersten Beruf das tun konnten, was sie wollten. Nach ein paar Ideen wie Anwältin werden damit ich den Benachteiligten helfen kann oder Lehrerin werden damit ich Wissen weitergeben kann war für mich ab 13 Jahren klar: ich will ins Reisebüro. Ich will die Welt entdecken. Und ich will so bald als möglich mein eigenes Geld verdienen, damit ich meinen Vater nie mehr um Geld bitten muss sondern mir selber Schuhe kaufen kann (ja genau, schon damals!). Empfehlungen des Mathe Lehrers, man solle mich auf ein Wirtschafts-Gymnasium schicken habe ich protestierend abgelehnt. Die Lehrstelle zu bekommen war damals ein grosses Glück und hatte bereits mit „Vitamin B“ = Beziehungen zu tun, die später im Leben noch viel wichtiger werden sollten. Und wie ich meinen Job geliebt habe: im 2. Lehrjahr schon Reisen verkauft am Schalter, Menschen beraten, wo sie ihre Ferien verbringen können, Flugtarife kalkulieren und mich mit der Freundin messen, wer den besseren Tarif gefunden hat, auf Studienreisen gehen, eine Kreuzfahrt am Ende der Lehre gewinnen. Alleine meine Lehre war schon ein Traum und täglich voller Überraschungen. Danach folgten Auslandaufenthalte für die Firma: England und Paris. Danach eine Tourismusschule in den USA leiten und in die Schweiz zurückgeholt werden für den absoluten Traumjob: Einkäuferin und später Produktemanager für die schönsten Orte der Welt. Ich habe alles mit Leidenschaft gemacht. Als dann noch die Themen Informatik und Schulungen dazu kamen war ich glücklich, mein Wissen weitergeben zu können und aus dieser Liebe für Digitales sind für mich ganz neue Berufe wie Kommunikationsverantwortliche, Help Desk Leiterin, Projektleiterin und Expertin Blended Learning entstanden. Immer konnte ich auf Fähigkeiten aufbauen, die ich mir über die Jahre angeeignet hatte und in denen ich Potenzial für die Zukunft gesehen habe. So habe ich auf Umwegen in die Personalentwicklung gewechselt und konnte mir als Seminarleiterin meine Fähigkeiten aneignen, die ich dann später in der Selbstständigkeit anwenden konnte.

Dass sich aber plötzlich eine Bekannte meldet und mich anfragt, ob ich in der Redaktion der Lokalzeitung aushelfen könne da habe ich für einen ganz kurzen Moment gedacht: soll ich da einstiegen? Wird das spannend? Und wie spannend es wurde: ich habe entdeckt, was für einen Wert eine Lokalzeitung für viele Menschen hat, dass gute Geschichten immer gerne gelesen werden und dass man durch Schreiben durchaus etwas bewirken kann. Und so hoffe ich immer noch, dass ich in ein paar Jahren auch sagen kann: ich bin auch eine Schriftstellerin, denn dies ist auch noch ein Projekt, das ich gerne starten möchte. Nachdem ich auf der Redaktion einfach eingestiegen bin ohne viel zu überlegen muss ich sagen: wie cool ist es, dass man mit 62 noch einen neuen Traumjob entdecken kann? Und um die Frage vom Titel zu beantworten: Ja, jetzt bin ich auch eine Journalistin, denn ich kann das sein, was mir gefällt.

Dass zeitgleich mit meinem neuen Job auch bei Germany’s Next Top Model 3 Frauen über 60 mitgewirkt haben gab mir zu verstehen, dass sich die Welt verändert. Eine Frau kann in jedem Alter überall mitwirken, wo sie Lust hat. Dass es die eine der drei Frauen sogar unter die Top 4 geschafft hat ist doch ein Zeichen dafür, dass wir uns nie für unser Alter schämen müssen. Im Gegenteil – wir können überall dabei sein, wo es uns Freude macht.

Dass ich immer wieder meine Fähigkeiten und neu angeeigneten Kenntnisse überprüft habe, das verdanke ich auch einem Buch, das mich in einer Zeit beflügelt hat, als ich gerade keine Arbeit hatte. Durchstarten zum Traumjob hat mir aufgezeigt, dass es sich lohnt, mal wieder ganz neutral zu analysieren: was kann ich gut und was mache ich gerne, denn das sind zwei unterschiedliche Aspekte. Ich empfehle auch heute das Buch noch, weil es ganz neue Aspekte der Jobsuche bzw. der Fähigkeitensuche anspricht. Das dazugehörige Workbook hilft ebenfalls mit besonderen Übungen.

Viel Spass beim neu Er-Finden!

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