Ist Musikstil eine Frage des Alters?

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Nach einem intensiven Konzert-Weekend habe ich mir wieder mal ernsthaft Gedanken über meinen Musikstil gemacht und wie es auch bei diesem Thema – wie bei anderen im Leben hilft – offen zu bleiben und auch mal über den Gartenzaun hinaus zu denken und auszuprobieren.

In meiner Wohnstadt Rorschach waren grad drei Konzerte angesagt: erster Abend: Philipp Fankhauser – der Schweizer Bluser schlechthin, am zweiten Abend war Panda Lux, eine Rorschacher Band dran, deren Stil ich schwer beschreiben kann. Und am Sonntag dann die absoluten Jazz Koryphäen Dave Weckl und Tom  Kennedy Project. Ich würde alle drei Stilrichtungen nicht als meine absolute Lieblings-Stilrichtung bezeichnen und trotzdem war da etwas: alle drei Bands hatten absolute Top Musiker dabei und sie waren mit Leib und Seele mit dabei und ich glaube, das macht den Unterschied zwischen seicht und magisch! Zu sehen, wie sehr eine Musikerin oder ein Musiker Spass hat an dem, was er oder sie tut macht echt den Unterschied. Dazu kommen auch noch die Geschichten zu den Songs: zu hören, was für Gedanken sich die Künstlerin oder der Künstler gemacht hat zum Song, das hilft fürs Verständnis und bringt auch nochmals eine neue Dimension rein. Es geht dann mehr in die Tiefe. Es ist einer der Gründe, weshalb ich noch an Live Konzerts gehe: ich möchte den Künstler spüren, ich möchte wissen, was für eine Person da Musik macht. Und daher mag ich auch Musiker:innen, die mit dem Publikum in Interaktion treten. Weil, wenn sie das nicht machen, dann könnte ich mir gerade so gut eine CD kaufen und mit meinen Spitzenkopfhörern zuhause die Musik reinziehen. Und dann würden mich nicht einmal die absolut nervigen Menschen stören, die permanent am quatschen sind – eine Unmode, die ich wirklich gar nicht mag an Live Konzerten und die sie mir manchmal schon fast vermiesen.

Aber genau die Geschichten hinter der Musik machen für mich eine Faszination aus und daher schaue ich wahrscheinlich auch liebend gerne und mit einer grossen Passion die Sendung: Sing meinen Song – das Tauschkonzert. Egal, ob es die Schweizer oder die Deutsche Version ist. Dort kriegst du einfach noch mehr mit, was für ein Mensch hinter dem Künstler / der Künstlerin steckt. Was seine Sorgen und Nöte aber auch was seine Trigger und Freuden sind. Und so hocke ich jeweils einfach alleine heulend (egal ob aus Trauer oder Freude) vor dem TV und geniesse die Gefühle, die so eine Sendung verursacht. Und so beginne ich plötzlich eine Beatrice Egli oder einen Dodo aus der Schweiz oder einen Andreas Gabalier zu mögen, weil ich jetzt den Mensch dahinter sehe.

Aber meine Vorliebe für gewisse Musikrichtungen bleibt: ich bin und bleibe eine R&B, Funk, Soul und Hip Hop Frau. Auch wenn es meinem Alter gar nicht entspricht Hip Hop zu mögen. Denn genau in diesem Punkt finde ich, dass es keine Frage des Alters ist. Ich mochte Hip Hop schon seit den Anfängen – zuerst wirklich nur den Old School Hip Hop aus den USA. Meine Nichte und mein Neffe, die wie meine eigenen Kids sind, haben das natürlich noch verstärkt, denn unser Haus Shangri-La war nicht mit sphärischen Klängen aus dem „Verloreren Land irgendwo im Tibet“ durchflutet sondern da klangen fette Hip Hop Beats. Ich vergesse nie, als ich jemandem sagte, wo ich wohne war die Antwort: «aha da wo immer so laut Hip Hop läuft…» das war dann wohl eher so, als ich nicht zuhause war aber auf einer Reise in die Skiferien war ich gar nicht abgeneigt, Kendrick Lamar, Eminem, Samy Deluxe, Missy Elliot und Mary J. Blige und andere Hip Hop Grössen zu hören. Mir gefällt einfach der Groove der Musik und zudem bin ich auch ein Poetry Slam Fan und irgendwie ist für mich Hip Hop und Rap die musikalische Variante von Poetry Slam. Manchmal auch sexistisch und derb aber ganz oft auch politisch und gesellschaftskritisch. Und wenn du dir bewusst wirst, dass Eminem schon bald 50 wird und ein JayZ Kunst sammelt und ein Timbaland Charity Projekte in Afrika macht, dann habe ich ja schon einiges gemeinsam mit diesen Hip Hop Grössen.

Und auch wenn ich jetzt Beatrice Egli besser verstehe und auch Annet Louisan ganz süss fand in der erwähnten Sendung: an ein Schlagerfestival müsstest du mich echt schleppen oder mit ganz besonderen Gründen überzeugen. Und weil ich einfach auf schöne Stimmen stehe supporte ich momentan grad zwei grandiose Künstler aus der Schweiz: Sam Himself, der geile und verrückte Basler mit der Stimme, die mich betört und verzaubert. Von ihm würde ich mir auch das Telefonbuch vorlesen lassen und es wäre wie eine Liebeserklärung. Und natürlich Marius Bear, der Appenzeller, den Frau einfach lieben muss. Er fühlt seine Songs dermassen, dass ich an seinen Konzerten abtauche und mich einfach der Musik hingebe. Seine «Lonely Boy Masche» nehme ich ihm sogar ab. Und wenn dann jemand fragt: «Sind sie die Mutter von Marius Bear, sie können ja alle Texte auswendig» dann muss ich zugeben: ja altersmässig könnte ich definitiv die Mutter sein – aber ich habe ihm und Sam gegenüber alles andere als Muttergefühle: ich bin durch und durch Fan von ihrer Musikkunst und von den Geschichten, die hinter ihren Songs stecken – und ich weiss, dass beide ganz tolle und feinfühlige Männer sind, die Musik als Ventil gewählt haben um ihre Seele auf den Tisch zu legen. Und beide lohnen sich total live – dort laufen beide zu Höchstform auf. Glaube mir: ich habe es mehrfach erlebt so oft in den letzten Jahren, dass mich eine Freundin gefragt hat, ob ich einen Stempelkarte habe oder Cumulus Punkte kriege fürs Sammeln der Konzerte! Ich sammle weiter – die Belohnung kommt jeweils unmittelbar!

Hört sie euch an und schaut, was diese Musik mit euch macht. Ich bin gespannt drauf, was diese Stimmen bei euch auslösen.

Marius Bear:

Marius Bear beim Heimspiel in Herisau

Boys do cry https://www.youtube.com/watch?v=ubNIpxo-gMo

Heart on the doorstep: https://www.youtube.com/watch?v=BcK_iX9pZYA

Sam Himself:

Sam Himself im Albani Winterthur

Like a friend: https://www.youtube.com/watch?v=Uab5H8pxn3Q

Cry: https://www.youtube.com/watch?v=FmuugJPmR88

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