Liebe und Sex im Altersheim

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Liebe im Alter wird immer wieder thematisiert. Unsere eigenen Eltern wollten wir uns bei sexuellen Aktivitäten nie vorstellen – eigentlich ja komisch, ich weiss selber nicht genau, woher das rührt.

Aber jetzt sind wir teilweise selber im Alter, in dem wir nicht mehr so taufrisch sind und uns auch andere Gedanken über die Sexualität im Alter machen. So musste ich auch einem jungen Verehrer erklären, dass er einfach keine Ahnung hat, wie sich ein älterer Körper anfühlt. Er wird nun mal faltig und es wachsen Haare an Orten, an denen man gar keine mehr haben möchte.

Das Thema wird auch in den Medien immer wieder diskutiert und thematisiert. Es gibt einige Filme, die sich damit auseinandersetzen – mir ist noch «Wolke 9» aus dem Jahr 2008 präsent. Selbst ich dachte damals nicht daran, ihn mir anzusehen. Irgendwie ein Thema, das man nicht noch auf der grossen Leinwand sehen möchte. Ich habe den Film dann wirklich erst Jahre später geschaut und fand es treffend, dass ältere Menschen genau dieselben Probleme und Freuden haben wie Leute jüngeren Jahrgangs. Es geht um Ängste, um Vertrauen, um den Wunsch nach Verliebtheit und Leidenschaft.

Der Podcast von SRF3 „Liebe und Sex im Altersheim“ setzt sich mit dem Thema auseinander, das noch später kommt: wie gehen wir mit Liebe im Alters- oder Pflegeheim um? Ich kenne es noch von meiner eigenen Mutter: Sie hatte sich mit 70 nochmals so richtig fest in ihren neuen Lebenspartner verliebt und durfte mit ihm 15 wunderschöne Jahre erleben. Sexualität spielte dabei auch mit, was ich an der Bettlektüre erkennen konnte. Am Schluss teilte sie mit ihrem Lebenspartner ein Zimmer in einem Pflegeheim und ich dachte immer: was mich am meisten stören würde, das ist, dass dauernd jemand ins Zimmer läuft ohne anzuklopfen oder einzutreten mit gleichzeitigem Anklopfen. Also ich glaube, das würde mich so oder so stören – nicht nur, wenn ich gerade sexuelle Aktivitäten nachgehen möchte.

Ich glaube nicht, dass die beiden noch sexuell aktiv waren im Pflegeheim, aber vielleicht auch, weil man ihnen diese Option in den unbequemen Spitalbetten gar nie gegeben hat. Ich habe das Thema nicht weiter recherchiert aber es freut mich, dass ich in diesem Podcast gehört habe, dass man das Thema heute viel natürlicher und selbstverständlicher angeht. Und dass man auch ein Täfelchen «bitte nicht stören» raushängen darf. Das ist doch schon mal ein Fortschritt. Vielleicht kann man das auch einfach so mitten im Tag mal machen.

Jetzt komme ich selber in ein Alter, indem ich mir manchmal Gedanken darüber mache, wie es wohl in diesem Thema weitergehen wird und wenn ich meine älteren Freundinnen und Freunde sehe dann ist mir klar: es wird genau so weitergehen, wie es immer war. Die Lust ist bei verschiedenen Leuten unterschiedlich und der Wunsch, sich mit Haut und Haar (also auch mit dem, das am falschen Ort wächst) zu verlieben und eine Partnerin oder einen Partner zu finden, dem man 100%ig vertrauen kann, mit dem man Freud und Leid teilen kann – dieser Wunsch bleibt aufrecht – ein ganzes Leben lang. Wie und ob es mit dem Partner im Bett klappt hat auch ganz stark mit der Liebe und der Vertrautheit zu tun. Und ganz sicher auch mit dem Humor, den man diesbezüglich hat. Es wird skurrile Situationen geben, man muss innovativer werden aber das wunderbare Gefühl des miteinander Verschmelzens – das wird bleiben und hat kein Alter. Ich glaube, ich schaue mir den Film Wolke 9 nochmals mit meinen älteren Augen an.

Und in einer Filmkritik, die ich gelesen habe über Wolke 9 stand, was für mich am allerwichtigsten ist: Bei dem Mann, mit dem du am meisten Lachen kannst: bei dem musst du bleiben!

Links:

Podcast auf SRF3

Filmvorschau auf Wolke 9 auf Kulturplatz

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