ZEITLOS – Älter werden und dabei lässig bleiben  

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Natürlich gibt es ein biologisches Alter, aber das Gefühl des Altwerdens findet vor allem im Kopf statt, sagt Psychiater Michael Lehofer.

Das zu glauben fällt mir persönlich schwer, sehe ich doch, wie meine Haare grauer werden und die Zipperlein immer mehr. In seinem Buch «Alter ist eine Illusion» bescheibt Lehofer, dass das biologische Alter nur etwas mit unserer Vorstellung zu tun hat, die wir selbst von uns und vor allem vom Altsein haben.

«Echte Freiheit, ist die Freiheit von Angst»

Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass man als junger Mensch die meisten Möglichkeiten hat und in der Phase wollen wir bleiben. Weil wir glauben, Freiheit sei, wenn wir zwischen möglichst vielen Möglichkeiten wählen können. Ein Irrglaube, denn Freiheit besteht nicht aus der Freiheit der Möglichkeiten. Echte Freiheit, so Lehofer, ist die Freiheit von Angst.  

Seit ich für unseren AgePerts-Blog Artikel schreibe, lese ich viel über das Altern und das Älter werden. Wie erträgt man den Schmerz, den das Vergehen der Zeit und das Verschwinden der straffen Haut verursacht, während einem gleichzeitig der Schlachtruf des modernen Alterns entgegenschallt: «Forever young», «50 ist das neue 40» usw.

Wie begeht man das Älterwerden, den Weg zum eigentlichen Alter, mit Verantwortung, Mut, Würde und Spass?

«Die Fixierung aufs Jungsein macht alt»

Wenn wir in eine Krise geraten, weil wir nicht glauben, ohne das was wir verloren haben, weiterleben zu können. Dann bleiben manche Menschen in dem Versuch stecken, die Situation wiederherzustellen, wie sie vorher war – was nicht gelingen kann. Andere lernen, dass sie auch ohne das, was sie als unbedingt notwendig erachtet haben, gut leben können. Dabei entsteht Freiheit.  Denn man ist nicht im eigenen Leben gefangen und sollte die Möglichkeiten geniessen, die sich noch bieten. Das ist eine Art Jungsein, die sich jünger und freier anfühlt als das, was manchmal junge Menschen empfinden.

Lehofers Meinung ist, dass man nicht alt ist, nur weil man altert, das ist eine Illusion. Er beschreibt es so: Man ist ja nicht alt, weil man altert, sondern weil man sich diesem ständigen Prozess des Neuwerdens verweigert.

«Lebendig bleibt, wer offen ist für Begegnungen und bereit, sich noch zu ändern!»

Man sollte darauf achten, nicht in eine rückwärtsgewandte Lebenshaltung zu geraten. Das macht unlebendig. Der lebendige Mensch bleibt in einem stetigen Prozess. Lehofers Empfehlung ist, jeder kann selbst entscheiden: Entweder man glaubt, man weiss, wie die Welt ist und beharrt darauf, oder man bleibt offen und ist bereit, sich von der Welt ändern zu lassen.

Das ist alles schön und gut. Es fällt jedoch schwer, sich dem Trend, jetzt muss alles verwirklicht werden, dem «die Zeit läuft davon-Syndrom» zu entziehen und lässig zu bleiben.

«Altern, der neue Trendsport?»

Die Lebenserwartung hat sich in den vergangenen 130 Jahren verdoppelt. Wir bleiben so lange am Leben wie niemals zuvor. Wir haben also mehr Zeit. Da drängt sich die Frage auf: Was fangen wir damit bloss an?

Die beliebte Autorin Ildikó von Kürthy hat keine Lust, auf der Forever-Young-Welle mitzuschwimmen.  Für die einen ist Altern der neue Trendsport, meint sie, jetzt müssen Träume verwirklicht werden: Marathon laufen, Berge besteigen, Fernweh und Kreuzfahrt, neue Sprache lernen und Marmelade einkochen und gärtnern. Kürthy stellt in Frage: Ist Altern als Trendsportart etwas, das man möglichst mit Ehrgeiz und Bestnoten hinter sich bringen muss?

Ich persönlich fühle mich ertappt. Ich dachte immer, es hört irgendwann mal auf, dass Druck und Ehrgeiz nachlassen. Jetzt, wo ich älter bin, um selbst Bescheid zu wissen, lasse ich mich anstecken von höher, schneller, weiter, fitter, schöner als andere im ähnlichen Alter ?  Vielleicht ist älter werden schlimmer als irgendwann mal alt zu sein? Vielleicht legt sich irgendwann die panische Betriebsamkeit, so lange wie möglich jung zu bleiben?

«Bloss nicht so alt aussehen, wie man ist …. Blödsinn! 50 Jahre sind ein halbes Jahrhundert gelebtes Leben».

«Power Aging? Ohne mich! Ich bin 50 und fühle mich keinen Tag jünger. Warum sollte ich?» sagt Ildikó von Kürthy. Früher wurde man älter und hat sich nicht daran gestört. Von Kürthy möchte nicht falsch verstanden werden, sie will sich nicht gehenlassen, aber lernen, loszulassen. «Ich will mich dem Alter nicht mutlos ausliefern wie eine Ertrinkende, die sich im Strom der Zeit aufgegeben hat. Aber ich will nicht gegen die Zeit kämpfen, die ja doch immer am längeren Hebel sitzt». Über das Älterwerden und das Wetter sollte man sich nicht aufregen – zumindest nicht ab einem gewissen Alter.

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